Das Team

Veranstalter der Fachtagung ist move e. V.,  der sich durch Einzelprojekte für eine realistische Darstellung der Prostitution einsetzt. Weiter sollen Brücken geschlagen werden zwischen einzelnen Aspekten der Sexarbeit und der Gesellschaft, um so für beide Seiten Entwicklungsprozesse zu ermöglichen und Perspektiven zu eröffnen.

Die Tagung organisieren Dr. Martin Theben, Rechtsanwalt, Matthias Vernaldi, Sexualberater und Stephanie Klee, Sozialarbeiterin und Mediatorin, die im Rahmen ihrer Tätigkeiten über Jahre vielfältige Erfahrungen auf diesem Themengebiet sammeln konnten. Sie richtet sich an BewohnerInnen und Experten in Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen, an SchülerInnen und StudentInnen von Fachhochschulen, Fortbildungsinstituten, BetreuerInnen und an Angehörige und sonstige Interessierte.

DSC03489

Experten aus Praxis, Wissenschaft, Politk und Verwaltung tragen dazu bei, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und zu diskutieren.

——————————————————————————————————————————————————————————————

Experten der 1. Fachtagung „Trübe Sehnsüchte oder verwirklichte Rechte – Sexualität in Einrichtungen“:

MH Standart weisse Bluse
Margret Hauch

Psychologische Psychotherapeutin und Sexualwissenschaftlerin/Hamburg

Sexualität, ein Lebensthema.
Lust und Last

Sexualität begleitet uns von der Wiege bis zur Bahre, in sehr unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Damit ist Jede/r  konfrontiert. Einerseits wächst der normative Druck, dass sie gefälligst offen, lustvoll und ungestört sein soll – das ist aber unrealistisch. Andererseits wird das Thema aber immer noch tabuisiert, so z. B. in vielen Einrichtungen. Mit diesem Spannungsfeld gilt es, sich auseinanderzusetzen.

Portrait
Stephanie Klee

Sexualassistentin und Sozialarbeiterin, Inhaberin der Agentur highLights/Berlin

Balance – Inspiration – Energie
Intimität, Nähe und Sexualität sind enorm wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und das Wohlbefinden der meisten Menschen. Sie sind vielleicht wichtiger als ein gewisser Luxus und spielen oft eine größere Rolle als Essen, Trinken und Schlafen. Als Sexualbegleiterin erlebe ich Momente mit Männer, wo eine tiefe Befriedigung allein durch die gegenseitige Berührung entsteht. Und umgekehrt kenne ich Situationen, wo das Fehlen von Sexualität zu Problemen führen kann im täglichen Leben und im Arbeitsablauf einer Einrichtung. Die Sprachlosigkeit ist hier dann oft die stärkte Bremse bei der Suche nach einer allseits befriedigenden Lösung.
www.roter-salon.highlights-berlin.de

Pressefoto Kolbow
Detlef Kolbow                      
Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Berlin, Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt

Fragestellung aus der Sicht der Verwaltung und Politk
Sexuelle Gewalt trifft Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts. Besonders Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind jedoch überdurchschnittlich stark hiervon betroffen und die Thematik hat eine gesamtgesellschaftspolitische Relevanz entfaltet. Dies belegen aktuelle Studien (wie beispielsweise die Bielefeld-Studie), aber auch verschiedene journalistische Beiträge, die mit Unterstützung der Mitglieder des Berliner Netzwerks gegen sexuelle Gewalt identifiziert wurden.

Das Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt entwickelt Maßnahmen, um vor allem Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen einerseits vor sexueller Gewalt zu schützen, andererseits aber auch, um Opfern schnell und unbürokratisch helfen zu können. Es gibt vielfältige Aktionen und Überlegungen auf diesem Gebiet, die nun fachlich diskutiert und für die Entwicklung des integrierten Maßnahmenplans berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist dabei aber immer der Blick aus der Perspektive der Betroffen, ohne den die Aufgaben nicht zu bewältigen wären.
www.berlin.de/gegen-sexuelle-gewalt

06110006
Heinrich Maiworm
Moderator, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Olper Senioren/Mitglied der Landesseniorenvertretung NRW, Initiator und Sprecher des Fahrgastbeirates der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd, Initiator und Veranstalter des Repair Cafe im MGH Olpe
www.HeinrichMaiworm.de

IMG_0394b (2)
Dr. med. Alfred Pauls        

Sexualwissenschaftler, Internist, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin, Charite Berlin, Campus Mitte

„Dimensionen menschlicher Sexualität“
Sexualität ist von jeher das Ziel von Geboten, Regeln, Gesetzen. Religion und kulturelle Vorgaben haben auch heute noch einen starken Einfluss auf das Verhältnis der Individuen untereinander und zur „Gesellschaft“. Wenn man die drei wesentlichen Dimensionen der Sexualität – Fortpflanzungsdimension, Lustdimension, Beziehungsdimension – zugrundelegt, fällt auf, dass die Fortpflanzungsdimension geschichtlich zwar streng geregelt war, aber im Kern nie oder kaum hinterfragt worden ist. Auf dem Höhepunkt der lustfeindlichen Sexualmoral im 19. Jahrhundert wurde allerdings das Ideal aufgestellt, dass selbst der Zeugungsakt ohne unzüchtige Fleischeslust vollzogen werden sollte.

In unserem Kulturraum sind die formalen Regeln und die Üblichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten weit geöffnet worden; zumindest verbal hat sich eine erhebliche sexuelle „Befreiung“ eingestellt. Das gilt aber nicht für gesellschaftliche Gruppierungen, deren Recht auf sexuelle Selbstbestimmung durch einschränkende Umstände nicht frei verwirklicht werden kann. Die Überzeugungsarbeit in diesem relativ stark tabuisierten Bereich erfordert weiterhin viel Kraft und Zeit.

Reinald Purmann           
Leiter des Fachbereichs Behindertenhilfe beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin

 „Sex auf Krankenschein – muss das sein?“

DSC_0028m5x7-72dpi
Bettina Stange                     

Leiterin des Stephanus-Seniorenzentrums, Berlin

„ Gelebte Sexualität im Seniorenpflegeheim – ein Praxisbeispiel“

martin (2)
Dr. Martin Theben

Rechtsanwalt/Berlin

MEIN RECHT AUF SEX – Juristische Aspekte der Durchsetzung des sexuellen Selbstbestimmungsrechts von Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe.

Ich bin 1969 in Berlin geboren. Ab 1991 studierte ich nach dem Abitur Sozialpädagogik in Berlin. Nach der Diplomprüfung und einer Tätigkeit bei der Jugendgerichtshilfe habe ich 1994 an der Humboldt-Universität zu Berlin das Studium der Rechtswissenschaften aufgenommen. Nach beiden Juristischen Staatsexamina und Promotion zum Prostitutionsgesetz bin ich seit 2004 als Rechtsanwalt in einer gemeinsam mit meiner Frau und Kollegin Dr. Bettina Theben geführten Kanzlei tätig.

Seit März 2009 bin ich Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Außerdem bin ich seit 1991 regelmäßig als Referent zu sozial- und rechtspolitischen Themen tätig und berate als Rechtsanwalt regelmäßig auch Träger der Alten- und Behindertenhilfe. Ich bin Autor/Mitautor zahlreicher Aufsätze, Gutachten und Artikel zu rechts- und behindertenpolitischen Themen. www.dr-theben.de

DSC_6701
Matthias Vernaldi
 (*1959)
Sexualberater/Berlin

„In der Not frisst der Teufel auch Fliegen“

– Erfordernisse, Erwartungen und Wünsche bei Kunden von sexuellen Diensten, die in Einrichtungen leben.
– Abhängigkeiten von Betreuern, Angehörigen und Personal und die Gefahr, dass sie ihre Vorstellungen projizieren.
– Sex zwischen Sedierung und Empowerment.

Matthias Vernaldi ist von Kindheit an wegen einer Muskelkrankheit schwerbehindert, 24 h auf Assistenz angewiesen (seine Assistenten sind bei ihm direkt angestellt),
lebte in der DDR in einer Landkommune,
studierte Theologie,
arbeitete 1982-1991 als Prediger bei der evangelisch-lutherischen Landeskirche Thüringens,
1990-1994 als Tarotkartenleger auf einem Mittelaltermarkt und
seit 1995 als Öffentlichkeitsarbeiter beim Bündnis für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen,
Autor des Romans „Dezemberfahrt“ (1994) und von Publikationen in Anthologien und Zeitschriften,
seit 1998 Mitglied des Vorstands von ambulante dienste e.V.,
gründete 2000 die Initiative „Sexybilities – Sexualität und Behinderung“
und ist hier seither als Peercounseller (Berater) tätig,
seit 2002 Mitglied des Berliner Landesbeirates für Menschen mit Behinderungen,
seit 2007 Mitglied der Redaktion von „mondkalb, Zeitschrift für das organisierte Gebrechen“.

Für den künstlerischen Einstieg:

Performance: Roland Walter + Marie Golüke